Schlangen

                                                                                                                                          Der Königspython (Python regius)

Schlangen (griech. Ophidia oder lat. Serpentes) sind eine Unterordnung der Reptilien. Sie stammen von echsenartigen Vorfahren ab, die ihren Körper stark verlängert und ihre Beine reduziert haben und zu einer schlängelnden Fortbewegung übergegangen sind. Die größten Arten (Pythons und Anakondas) werden ca 8 m lang, in Ausnahmefällen auch 10 m. Längenrekorde über 10 m werden zwar immer wieder erwähnt jedoch nie bestätigt. Die Anzahl der Wirbel ist auf rund 200 (maximal 435) erhöht. Die Kiefer- und Gaumenknochen sind nur durch Bänder verbunden und stark verschiebbar, so dass auch größere Beutetiere in einem Stück verschlungen werden können. Im großen Magen wird die Beute mit Hilfe einer relativ hoch konzentrierten Salzsäure zerlegt. Einige Schlangen haben ihre Speicheldrüsen zu Giftdrüsen umgebildet. Riesenschlangen können über ein Jahr lang hungern. Schlangen sind weltweit verbreitet und in unterschiedlichsten Lebensräumen vom Gebirge bis zum Meer zu finden. Die mit Abstand größte Artenvielfalt gibt es jedoch in den Tropen. Zu den wenigen Orten, wo es keine Schlangen gibt gehören die Antarktis und Irland. Die giftigste Landschlange der Welt ist der in Australien lebende Inland-Taipan. Er ist eher ruhig und nicht aggressiv. Die Braunschlange dagegen (auch eine der giftigsten Schlangen) ist ziemlich aggressiv und leicht reizbar. Die giftigste Schlange überhaupt ist aber eine Seeschlange, die im Meer vor Australien lebt. Der Ort mit der höchsten Giftschlangendichte ist die Insel Queimada Grande vor der Ostküste Brasiliens.
Man beachte, dass Blindschleichen keine Schlangen sind, sondern nur gliedmaßenlose Echsen.
Systematik
In der Systematik der Biologie ist die Unterordnung der Schlangen in der Ordnung der Schuppenkriechtiere (Squamata) enthalten, die wiederum zur Klasse der Reptilien (Reptilia) gehören.
Schlangen (Serpentes) werden in 3 Überfamilien, 18 Familien, 456 Gattungen und 2922 Arten. Zu den bekanntesten Familien gehören die
• Riesenschlangen (Boidae) z. B: Pythons und Boas
• Nattern (Colubridae) z. B: Ringelnatter (Natrix natrix), Kornnatter (Pantherophis guttatus)
• Giftnattern (Elapidae) z. B: Mambas und Kobras
• Vipern (Viperidae) z. B: Grubenottern, Klapperschlangen, Kreuzotter (Vipera berus), Aspisviper (Vipera aspis), Wiesenotter ('Vipera ursinii)

Wussten sie schon, dass...

...dass Schlangen bis zu 2 Jahre ohne Nahrung auskommen können (den Rekord hält meines Wissens eine Königspython mit knapp unter 24 Monaten). Sie können ihren Stoffwechsel soweit "runter fahren", dass sie ihre Reserven nur langsam verbrauchen.

...dass Schlangen (die primitiven ausgenommen) keinen massiven Schädel haben. Ihr Kopf besteht aus einzelnen Knochen die sich gegeneinander verschieben können und über Sehnen miteinander verbunden sind. Wobei der Kiefer 2-teilig ist und das Gehirn und die Augen in einer knöchernen Kapsel liegen.

...dass Riesenschlangen ihre Beute humaner töten als von vielen angenommen. Der Schock der Beutetiere trägt einen großen Teil zur "humanen" Tötung bei. Riesenschlangen sind kräftig gebaut und beim Beuteschlagen drücken sie ihr Opfer so fest zusammen, dass die Blutgefässe und Knochen dem hohen Druck oft nicht standhalten und platzen und brechen (vorausgesetzt man füttert nicht zu groß). Eine Katze ist im Bezug auf die Mäusejagd wesentlich grober als eine Schlange (wer schon mal eine Katze mit einer Maus spielen sehen hat, der weiß wovon ich rede!!!).

...dass Schlangen nichts hören. Sie können aber sehr wohl "Geräusche" wahrnehmen. Jegliche Vibrationen über den Boden werden wahrgenommen. Über die Luft können auch niederfrequente Töne wahrgenommen werden.

...dass Schlangen sehr lange die Luft anhalten können. Mein Königspython hat mal einen Tauchgang in seinem beheizten "Swimmingpool" gemacht, so dass ich ihn vor lauter Angst beinahe rausgezogen hätte! (ist kein Scherz, ich war wirklich drauf und dran. Er wollte aber nur seine Milben loswerden).

...dass Boas lebend gebären. Die Jungen werden im Leib der Mutter ausgebrütet und schlüpfen dann sofort nach der Geburt aus ihren Eihüllen.

...dass Pythons und einige Boas Grubenorgane haben, mit denen sie nachts ihre Beute "sehen" und "anpeilen". Sie funktionieren "ähnlich" wie Infrarotsensoren.

...dass männliche Schlangen zwei Fortpflanzungsorgane (Hemipenis)haben.

...dass Schlangen beim Verdauen ihrer Beute ein Vielfaches von dem was ein Mensch bewältigen vermag, leisten. Rund die Hälfte der Nahrung wird schon beim Verdauen "verheizt". Das hat einen guten Grund: In toten Tieren bilden sich Faulgase und bevor die entstehen muss die Schlange ihre Beute verdaut haben. Und das geht nur mit einer "Turboverdauung". Das Zersetzen der Nahrung dauert, je nach Größe des Futters, zwischen ca. 2-5 Tagen. Sie verdauen dabei alles, sogar Knochen und Zähne. Ihre Magensäure ist ca.10mal stärker als die eines Menschen. Die Verdauungssäfte werden nur im hinteren Teil (dem Darm zugewandte Seite) des Magens produziert. So erklärt sich auch warum der Kopf eines Beutetieres zuerst verdaut wird.

...dass große Schlangen Lauerjäger sind. Sie "hetzen" ihre Beute nicht sondern warten bis die Beute an ihnen vorbei kommt. Jungschlangen schlängeln ihrer Beute schon mal entgegen.

...dass Schlangen sehr alt werden können. Ein Königspython lebte im Zoo von Philadelphia 47 Jahre (1945-1992).

...dass es bei den Giftschlangen 3 verschieden wirkende Gifte gibt. Das Gift einer Kobra wirkt auf das Nervensystem (neurotoxisch). Es wirkt sehr schnell, da es das Opfer lähmt. Das Gift der Viper wirkt auf die Blutgefässe und -zellen (hämotoxisch). Hier tritt der Tod langsamer ein, da das Gift das Blut gerinnen lässt und die Gefäße zerstört. Die Seeschlangen und ein paar australische Giftnattern besitzen ein Gift das nur auf die Muskeln wirkt (myotoxisch). Es kann vorkommen dass ein und dieselbe Schlangenart je nach Verbreitungsgebiet unterschiedliche Gifte besitzen.

...dass sich nicht alle Schlangen paaren müssen um sich fortzupflanzen. Die Brahmanen-Wurmschlange ist die einzige Art bei der es nur Weibchen gibt. Sie können sich durch Jungfernzeugung fortpflanzen. Erreichen die Tiere das Erwachsenenalter, dabei sind sie nicht größer als 15 cm, legen sie entwicklungsfähige Eier aus denen dann wiederum Weibchen schlüpfen die Klone ihrer Mutter sind.

...dass Schlangen besser sehen als allgemein angenommen wird. Sie können auch auf starre Gegenstände reagieren. Wie sollte sonst die sog. "fliegende Schlange" den nächsten Baum anpeilen können. Die Augen sind auch nicht starr, sie können sich hinter der Brille in alle Richtungen bewegen.

...dass Schlangen nur einen voll ausgebildeten Lungenflügel besitzen. Der linke Lungenflügel ist verkürzt bis nicht mehr vorhanden. Bei der Lunge ist nur die vordere Hälfte fähig einen Sauerstoffaustausch zu vollziehen. Die hintere Hälfte dient zur Speicherung, wenn große Beute verschlungen werden muss und der Schlange dadurch kurzzeitig die Luftröhre verschlossen wird oder für längere Tauchgänge unter Wasser.

...dass es bis heute noch keinen tatsächlichen Beweis für eine 10 Meter-Schlange gibt. Die New Yorker Zoologische Gesellschaft hat einen Preis für ein 9 Meter langes Exemplar ausgesetzt und dieser ist bis heute noch nicht abgeholt worden.

...dass Schlangen ihr Leben lang ihre Zähne erneuern. Die Zähne haben keine Wurzeln wie bei den Säugetieren. Sie sitzen nur auf den Kiefern auf. Die nachwachsenden Zähne bilden sich an der Innenseite des Kiefers und drücken nach und nach die alten Zähne nach außen bis sie ausfallen.

...dass das Fokussieren (Scharfstellen) der Umgebung mit dem Auge, bei Schlangen anders funktioniert als beim Menschen. Das Menschenauge bewerkstelligt dies durch Verformung der Linse. Das Schlangenauge hingegen verändert den Abstand zwischen Linse und Netzhaut durch Verformung des Augapfels.